Virtuosen-Poeten

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Es gibt die Behauptung, die Grabenlinie zwischen der „E“ und  „U“-Musik sei in Deutschland größer als woanders. Unsere langjährige Erfahrung mit der Play Bach-Legende Jacques Loussier war aber eine andere. In seiner 50jährigen Karriere hindurch feierte Loussier hierzulande seine größten Erfolge. Die Orte, wo er spielte, die Begeisterung des Publikums und die Kritiken sprechen eine deutliche Sprache: Er war zurecht ein Weltstar in diesem Bereich des klassiknahen Genres, das mangelnder Alternative oftmals Crossover genannt wird. Von Franz Liszt gibt es aber eine passende Bezeichnung dafür: virtuose-poëte. Es sind Improvisierende Virtuosen, die er in den Rang eines Komponisten hob. Im Unterschied zu den klassischen Interpreten müssen sie nicht nur hervoragende Instrumentalisten sein. Ihre Arrangements und ihre Improvisationskunst müssen sie auch unter Beweis stellen. ROBY LAKATOS, das TEREM-QUARTETT und DAVID GAZAROV sind zweifelsohne solche große Virtuosen-Poeten


ROBY LAKATOS stammt von Janos Bihari, jenem Geigenvirtuosen und Star des Wiener-Kongresses, um dessen Autorschaft von Rackoczy-Marsch oder einigen der Themen der Liszt‘ Ungarischen Rhapsodien spekuliert wird. Es gab eine Reihe von spektakulären ‚Zigeuner‘-Geigenvirtuosen, Könige der Zigeunergeige. Grigoras Dinicu war für Jascha Heifetz der größte Geiger überhaupt, Toscanini und Casals verehrten Imre Magyari, und Debussy Béla Radics. Roby Lakatos, der mit Maxim Vengerov oder Vadim Repin, die Bühne geteilt und in der ausverkauften Carnegie Hall oder dem Sydney Opera House gespielt hat, steht zweifelsohne am Am Ende dieser Reihe. Einer, den der Daily Telegraph  „World’s fastest fiddler’s fingers“ genannt hat.

Orchesterprojekte: Verbunkos-Kompositionen, die Liszt als Themen in seinen Ungarischen Rhapsodien verwendete, oder mit einem ‚Zigeuner‘-Programm, das viel mehr ist als Montis Czardas.
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Das TEREM-QUARTETT ist nicht erst durch seinen Auftritt mit Mariss Jansons und dem BRSO in München bekannt. Papst Johannes Paul ließ es vor 120.000 Menschen in Vatikan auftreten (und von Mutter Teresa hinter der Bühne betreuen), es spielte mit Marinsky-Orchester und den Moskauer Solisten, in der Eröffnung von den Olympischen Spielen Vancouver, Barcelona und Sotchi, und wurde zum Liebling eines Karl Lagerfeld, Peter Gabriel oder des englischen Könighauses. Die Bilanz des 30jährigen Bestehens des Quartetts ist über 3000 Konzerte in 70 Ländern, 30 CD-Einspielungen mit über 500 Arrangements für dessen skurrile Besetzung Domras, Bajan und Kontrabass.

Orchesterprojekte: „White Nights“ Arrangements von bekannten Werken russischer Komponisten: Ein Tschaikowsky-Thema, mit einem Gesang der Rentierhirten der Jakuten gekreuzt, Kinomusiken von Sowjet-Blockbusters wie „Haltet den Dieb“. Weiteres Programm: „MyBach“.
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DAVID GAZAROV sprang für den erkrankten Loussier ein, kassierte in Berlin Philharmonie, der Bremer Glocke, dem NDR-Großen Sendesaal, dem Rheingau Musikfestival u. a. große Erfolge. Ihn nur als „Loussier-würdiger Nachfolger“, wie die Presse schrieb, ist zu wenig. Der bei einer Schostakowitsch-Schülerin in Baku ausgebildete klassischer Pianist hat ein phänomenales musikalische Gedächtnis, das ihm erlaubte, Jazz-Stücke aus den verbotenen Sendungen des Voice of America auf dem Klavier nachzuspielen oder selbst eine ganze Bigband-Partitur aufzuschreiben. Die SZ zog einen Vergleich mit Gulda („Friedrich Gulda wohl beschämt den Hut gezogen …“), während die Jazzthetik  von ihm sprach „als würden Art Tatum und Vladimir Horowitz zusammen im Orient Urlaub machen“.

Orchesterprojekt: Gershwins Rhapsody in Blue, arrangiert für Jazztrio, Streichorchester und sechs Bläsern, mit  Improvisationsschüben. Ferner Werke von Pionieren des Jazz Irving Berlin, Jerome Kern, Cole Porter u.a.

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