David Gazarov Trio entfacht Feuerwerk beim Rheingau Musik Festival

Klanggewitter – David Gazarov Trio wandelt auf Schloss Johannisberg auf den Spuren Jacques Loussiers

 

Von Manuel Wenda
JOHANNISBERG – Hui! Beim Rheingau Musik Festival löste das Konzert des David Gazarov Trios auf Schloss Johannisberg in der Reihe „Fokus Jazz“ ein Feuerwerk aus. Gazarov ist ein herausragender Pianist, in der Welt der Klassik zuhause ebenso wie im Jazz – Gleiches gilt für seine Mitstreiter, den Schlagzeuger Meinhard „Obi“ Jenne und den Kontrabassisten Mini Schulz. Letzterer war gerade erst vor Kurzem in Wiesbaden zu Gast; im Peter Lehel Quartett trat er mit dem Cellisten Manuel Fischer-Dieskau in einer Matinée des Vereins „Amici dell’arte“ auf.

Stücke aus dem Album „Bachology“

Die erste Dreiviertelstunde gestaltete das David Gazarov Trio größtenteils mit Stücken des Albums „Bachology“, es wandelte auf den Spuren Jacques Loussiers; von dem Franzosen stammt die Idee, Johann Sebastian Bachs Musik zu verjazzen – Gazarov geht dabei mutig, respektvoll und hochvirtuos zu Werke.

„Wachet auf, ruft uns die Stimme“, stand am Anfang in Johannisberg: Mit dezentem Pedaleinsatz eröffnete David Gazarov das Konzert, Mini Schulz und Meinhard „Obi“ Jenne stiegen ein. Rasch schwang sich das elektrisch verstärkte Trio in donnernde Höhen empor; ein Klanggewitter im Sonnenschein ergoss sich – aufgewacht waren wohl alle im Saal. Mini Schulz strich ein an den amerikanischen Violinisten und Kontrabassisten Johnny Frigo erinnerndes Solo.

Geradezu erschütternd geriet das auf Charles Gounods „Ave Maria“ basierende „The only hope“: Ein Kampf zwischen Hoffnung und Hölle. Erlösend wirkte die sich anschließende Bourrée; springend-sprühend-leichtfüßig kam sie daher. Jenne flocht ein swingend-atmendes Schlagzeugsolo ein. Der erste Teil endete mit „Hymn to freedom“, Oscar Petersons Hommage an Martin Luther King. Die zweite Hälfte war von schönen Klängen geprägt, Chopin stand im Mittelpunkt, teilweise wurde eine süffige Traurigkeit erfahrbar. Fröhliche Momente fehlten nicht – amüsant beschrieb Gazarov, wie ein Manager und Musikbanause eine „lateinamerikanische Fassung“ des „Minutenwalzer“ bei ihm in Auftrag gab; das Ergebnis ist ein anspruchsvoller Mumpitz. Den offiziellen Part beendete das von Horace Silver arrangierte „Sister Sadie“. Zu einem Höhepunkt wurde die erste Zugabe, sie setzte den Hörer in eine Zeitmaschine: Gazarov spielte im Alleingang eine halsbrecherische Version von „Take five“ – man erinnerte sich an den Sommer 2000: Damals hatte Dave Brubeck neben Tatiana Fürstin von Metternich-Winneburg im selben Saal gesessen und Anthony & Joseph Paratore gelauscht, die Stücke von Bach, Strawinsky sowie seine Suite „Points on Jazz“ darboten.

Quelle: Wiesbadener Kurier, 30. Juli 2018

Wiesbadener Kurier, 30.07.2018

 

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