Caroll Vanwelden

Caroll Cover

Photo: U. Ambach/ jazznarts

Den Kritiken der Fachpresse zu entnehmen gelang es Caroll Vanwelden mit ihrer CD Caroll Vanwelden Sings Shakespeare Sonetts auf Anhieb sich als eine der bedeutendsten Gesangartisten zu positionieren. Der NDR sprach von einer „Poesie der Schönheit“, ferner

„Sie setzt Shakespeares Rhythmen kongenial um, mit minimalistischen Wiederholungen und zuweilen auch mit komplizierten Taktwechseln. Dabei gleiten die Sonett-Songs in einem fast hypnotischen Fluss dahin.“ (NDR 2012/ 10/ 22)

Die Financial Times Deutschland benutzte mehr als ein Dutzend lobende Attribute, um die Besonderheit Caroll Vanwelden zu beschreiben:

William Shakespeare machte auch Jazz – das hat bisher nur keiner gemerkt! Was die belgische Sängerin und Pianistin mit ihren drei Mitmusikern präsentiert, klingt so atemberaubend, so selbstverständlich und frisch, dass an dieser überraschenden These überhaupt keine Zweifel aufkommen können. Prickelnd klingt das vom ersten Ton an, die Instrumentierung der 16 Sonette ist sensibel ausgewählt, Vanweldens Stimmführung zudem von lässiger Eleganz und Intensität. Schwungvoll, zupackend, optimistisch und fröhlich, zart irisierend oder träumerisch leicht: Die mit Noten verstärkten Shakespeareschen Worte eröffnen die Welt des Dramatikers neu – ergänzt um aktuelle Klangfarben und Musikstile. Ein packendes Erlebnis mit faszinierenden Wandlungen – einfach begeisternd! (Financial Times Deutschland, 2012/ 10/ 21)

Caroll_Neuss

Photo: Krey

Vom Stereo Magazine war schlicht zu lesen
“…Hier handelt es sich um ein Album, welches das Zeug hat, zur CD des Jahres gewählt zu werden.“

Dabei hat Caroll Vanwelden nicht etwa zu wenig Ehrfurcht vor dem berühmtesten und einflussreichsten Dichter aller Zeiten, den Goethe zum Stern der höchsten Höhe erhob. Der Klang einiger Sonetten Shakespeares, also deren Seele und wovon ursprünglich ihre Bezeichnung stammt, faszinierten Caroll schon seit ihrer Jugend. Jahrelang reiften Worte zu Melodien in ihrem Kopf heran, nachdem sie sich vor längerer Zeit für ein nichtrealisiertes Projekt intensiv mit einigen Sonetten beschäftigt hatte. Es bedurfte dann zwei Jahre intensive Arbeit, bis die 16 Sonette zu dieser wunderbaren CD-Sammlung geworden sind.

„Und so erlebt der, der vielleicht ein wenig Angst vor komplexer Barockdichtung hat, mit der CD eine faustdicke Überraschung: Die Texte klingen leicht und lässig, was natürlich an Vanweldens Stimme liegt, die mit den Vorlagen flirtet, aber auch schneidende Schärfe und einen eisigen Ton einbringen kann, wenn’s drauf ankommt.“ (Jazzthing, 2012/ 10/ 25)

Im belgischen Gent in Ostflandern geboren und mehrsprachig aufgewachsen, hat sie schon früh gemerkt, dass Singen ihre Bestimmung ist. Dennoch vernachlässigte Caroll ihre andere Begabung als Mathematikerin nicht und wurde zuerst Ingenieurin, bevor sie sich für ein Jazzstudium am Genter Konservatorium entschied. Nach einiger Zeit ergatterte sie einen der drei begehrten Studienplätze an der berühmten Guildhall School of Music and Drama in London. Zweifellos eine der weltweit bekanntesten Talentschmieden, mit schmücken Absolventen von William Primrose, Jacqueline du Prè oder James Gallway über Dave Holland, Bryn Terfel oder Anne Sophie von Otter bis hin zu einer Reihe von internationalen Gegenwarts-Schauspielern wie Daniel Craig, Ewan McGregor und Max Irons. Nach dem sie das Studium mit einer der höchsten Auszeichnungen abgeschlossen hat, führte Caroll Vanwelden ein Leben als Vollblutmusikerin mit verschiedenen Formationen und Genres. Sie arbeitete mit dem klassischen Dirigenten Alexander Rahbari und der Belgischen Philharmonie, sie sang in einer Musical-Produktion im Fernsehen und sie tourte durch China und Indien als Kultur-Botschafterin ihres Landes und auf Einladung des damals Prinzen Philipp von Belgien hin.

Es wäre schade, nur von Caroll Vanweldens Shakespeare-Projekt zu reden, ohne sich ihre früheren CDs anzuhören. Schließlich manifestiert sich die Vielfältigkeit der Künstlerin in den völlig unterschiedlichen Stilen dieser CDs – in Colours sowie Cheek To Cheek. Während bei Cheek To Cheek Caroll Vanwelden gänzlich Jazz-Standards verschrieben ist, beinhaltet das früher entstandene Colours eigene Kompositionen. Darin ist A World Without Frontiers, eine Art Bekenntnis zu der Freiheit, die Caroll Vanwelden als Sängerin, Arrangeurin und Komponistin wählt. Sie ist auch in dem Interview im Jazz Podium (Nov. 2012) zu lesen, in dem Caroll Vanwelden von „einer großen Einheit, großen Weltmusik“ spricht, und „nicht nur dies oder jenes, Jazz oder Bossa oder Salsa …“
Cheek To Cheek war ein großer Erfolg und machte Caroll Vanwelden zu der bekanntesten Jazzsängerin Belgiens. Selbst im fernen Japan findet die CD heute großen Absatz. Sie enthält schon jene Merkmale, die auch später bei ihrer Shakespeare-CD zu finden sind: ihre markante Stimme und ausgereifte Gesangtechnik. Auffallend ist aber die Lebendigkeit, mit der Caroll Vanwelden jedes einzelne Stück überzieht. Ob zart oder schneidig, leidenschaftlich oder resigniert, lebhaft oder wehmütig. Diese Lebendigkeit resultierte aus der Gabe der Sängerin, das richtige Verhältnis zwischen Wort und Musik zu finden. Ganz so wie die alten Griechen in der Lehre der Prosodie das Ideale bezeichneten.

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Photo: P.Velghe & A.Ryckaert/ Jazznarts

Die Planung, zu den Shakespeare-Jahren 2014 und 2016 die Jazzwelt jeweils mit einer weiteren Sonetten-CD zu bereichern hindert Caroll nicht daran, schon im November 2013 eine CD als Fortsetzung der Cheek To Cheek zu veröffentlichen. Don’t Explain ist der Titel, mit Standards aus den 40er Jahren wie Perdido, C’est Ci Bon, Speak Low, God Bless The Child u.a. Es ist ein Tribut zu großen Namen wie Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Billie Holiday. Man vermiss auf keinen Fall die Emotionalität dieser fernen Zeit, dennoch singt Caroll Vanwelden durch und durch sehr modern. Auch die Besetzung der Band mit Klavier, Gitarre und Bass gibt jene schlanke, zeitgemäße Anmutung.

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