Jacques Loussier (26. Okt. 1934 – 5. März 2019)

 

Jacques Loussier (Photo: K.H. Schmidt)

Jacques Loussier (Photo: K.H. Schmidt)

Als Jacques Loussier 1959 anfing, mit seinem PLAY BACH seinen verjazzten Bach zum Besten zu geben, ahnte selbst sein Decca-Produzent nicht, dass bis 1965 fünf Titel mit Millionenauflagen verkauft wurden. In Paris, London, Berlin (es gab 45minutigen Beifall nach dem Konzert in der Philharmonie 1964), in Sydney oder New York vereinte und polarisierte Loussier die Klassik- und Jazzwelt. Als Pionier, ja Vater des Crossover wird er heute gerne angesehen, und Glenn Gould attestierte seinen guten Geschmack mit den Worten „Play Bach is a good way to play Bach“.

Loussier stehend diagonal sw 50

Photo: K.H.Schmidt

Nach den turbulenten 60er und 70er Jahren, in denen neben jährlichen 200 Auftritten weltweit Loussier auch eine Anzahl von Kompositionen für Hollywood-Produktionen lieferte, beschränkte sich Loussier mit seiner 2. Trioformation auf die Verfeinerung seiner Arrangementkunst. Ob die Goldberg-Variationen oder Saties Gymnopédie, Vivaldis Jahreszeiten oder Ravels Bolero, sie stehen ganz hoch in der Gunst der Kritik und des Publikums.

Und die Süddeutsche Zeitung lobt Loussiers Konzept bei der Adaption von Mozarts Klavierkonzerten in d-Moll und A-Dur für Jazztrio und Streicher als „stark genug, Mozart und Jazz in ein plausibles Verhältnis zu bringen.“

Kein Wunder, dass auch die junge Generation Jacques Loussier für sich entdeckt. In Hongkong, Singapur oder in Südkorea, aber auch in Lissabon, Budapest oder Moskau, sorgte überwiegend junges Publikum für ausverkaufte Säle. Übrigens besuchten 5300 Leute in Budapest 2009 zwei Konzerte des JLT an einem einzigen Tag!

Als Komponist ist Loussier nach wie vor gefragt: Er schrieb 2006 für Yehudi Menuhin-Gesellschaft in Gstaad ein Violinkonzert (sein zweites) und eine seiner Orchesterkompositionen wurde vom Star-Rapper Eminem bearbeitet. Im August 2008 ist ein Quintett Loussier beim Festival LaJolla in San Diego, USA uraufgeführt.

Photo: S. Wagenhoffer

Photo: S. Wagenhoffer

Noch im Zeichen des großen Jubiläums „50 Jahre Play Bach“ spielt das JLT verstärkt Erfolgsstücke aus den frühen Jahren. Dazu gehört sicherlich die Aria in G, der Loussier in Großbritannien den Beinamen Mr G-String zu verdanken hat. Von 1963 bis 2006 lief dort mit dieser Musik ein Werbespot für Hamlet-Zigarren. Es war vielleicht der längste Werbespot aller Zeiten. Und er liefe noch heute, wäre Tabakwerbung nicht verboten.

Gerade Ende Juli 2010 wurde Jacques Loussier in Stuttgart „German Jazz Trophy“ verliehen worden. Für ihn, der sich nie als einen Jazzmusiker sieht, bedeutet dies die überfällige Anerkennung der Jazzer. Nicht lange zuvor, im Rahmen des Bachfestes 2008 huldigte das Bacharchiv, die höchste Autorität weltweit um J. S. Bach, dem Verdienst Loussiers für die Verbreitung und Pflege (!) der Werke Bachs. Für die Leipziger Volkszeitung steht nicht mehr die Frage „darf er“ Bach so spielen, sondern das Imperativ „er muss“. Ferner „ Play Bach ist strukturell durchdacht, so skrupulös generiert, dass das Konzept nicht nur fürs jazzoide Häppchen taugt, sondern auch für die Großform“. Das Trio is ein „fabelhaftes“.

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